Adršpach & Teplice (Pfingsten 2008)
27. Mai 2008
Anstatt mich mit den Kelchsteiner Horden durch den meteorianischen Kartoffelacker zu wühlen, entschied ich mich Pfingsten 2008 zu Gunsten des nordböhmischen Klettermekkas.
Gewichtige Gründe:
- akuter Rissentzug im nahezu rissfreien Schwabenländle
- vernachlässigte Dresdner Fletterflumpels
- lukullische Besonderheiten (Gambrinus, Adršpašské bramborák)
Nach erstem Beschnuppern und Durchsteigen einiger Rissklassiker in den Schrammsteinen und in Oybin am Himmelfahrtswochenende zeigten meine Handrücken bereits erste punktuelle Verfärbungen. Nichtsdestotrotz, Adersbach – da geht immer was!

Der typische Adersbach-Tag ist dadurch geprägt, sich morgens so lange wie möglich im Schlafsack umher zu wälzen und zunehmende Unannehmlichkeiten (steigende Zeltinnentemperaturen, erhöhter Blaseninnendruck, allgegenwärtiges Schmerzen von Hautabschürfungen und Verspannungen eines ins Alter geratenen Kletterers) zu ignorieren bis einen das schlechte Gewissen packt und man sich aufrappelt. Da ist es so gegen 8.00 Uhr. Anschließend Hörnchen futtern, Kletterführer wälzen und Seilschaften auswürfeln. In die Felsenstadt trappeln, eine Route klettern. Jammern und Zaudern. Gucken, ob nicht bereits Regenwolken herbei ziehen und man schon in die Pivnice eilen kann. Nein? Noch eine Route klettern. Jammern und Zaudern … bis gegen 17:00 Uhr. Das Gewissen ist beruhigt und man sollte sich spätestens jetzt einen der begehrten Plätze im Gewölbe sichern und die akuten Defizite des persönlichen Nährstoff- und Flüssigkeitshaushaltes ausgleichen. Irgendwann gegen 23.00 Uhr beim Bestellen des x-ten Pivo holt einen schließlich das weigernd-störrische Kopfschütteln des Pane Vrchní in die Realität zurück. Zum Zelt wanken und selig entschlummern, bis bei Tagesanbruch erneut die genannten Unannehmlichkeiten einsetzen.

Entgegen bisheriger Adersbach-Ausflüge zeigte sich das Wetter bei unserem 6-tägigen Aufenthalt von seiner besten Seite und uns gelangen zahlreiche eindrucksvolle Touren auf herausragende Gipfel. Ein Auszug aus dem Bergfahrtenbuch:
Zaghafter Prolog: Venushügel, Vaclav
Steigende Schwierigkeiten: Jitřenka, Dědek
Entspannte Reibungsklettereien: Tiroler, Warze
Höhepunkte in Teplice: Freundschaftshangel, Kapuzinerhangel
Riesengipfel in Adersbach: Liebespaar-Luftweg, Köhler-Talweg
Finale furiosum: Bürgermeister-Slunovrat
Fazit: bleibende Eindrücke, unerschöpfliche Routenvielfalt und Ziele ohne Ende, viel zu wenige Kelchsteiner Gipfelbucheinträge
Gruß, Robert